Blutversorgung

Aus Vonrudorff
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Die Blutversorgung des Gehirns erfolgt im wesentlichen aus vier großen extrakraniellen Arterien: rechts und links jeweils eine A. carotis interna und eine A. vertebralis.

A. carotis interna. Sie entsteht bei der Teilung der A. carotis communis, zieht durch den Karotiskanal ins Schädelinnere, bildet dort im Sinus cavernosus den Karotissiphon und gibt die A. ophthalmica zum Auge ab. Anschließend teilt sie sich an der Hirnbasis in die A. cerebri anterior und die etwas stärkere A. cerebri media. Das Versorgungsgebiet der A. carotis interna umfasst mit den drei genannten Endästen das gesamte Auge einschließlich der Retina, den vollständigen Frontal‑ und Parietallappen, den größten Teil des Temporallappens und des Zwischenhirns sowie die Hypophyse. Wegen des sehr großen Versorgungsbereichs der A. carotis interna haben vollständige Verschlüsse dieses Gefäßes sehr weitreichende Folgen‑. von Lähmungen (motorischer Kortex) und Gefühlsstörungen (sensibler Kortex) auf der kontralateralen Körperseite, über Sprachstörungen (Broca­- und/oder Wernicke‑Zentrum) bis hin zu Sehverlusten oder gar Blindheit (Retina).

A. vertebralis. Sie entspringt aus der A. subclavia, zieht entlang der Halswirbelsäule nach oben und tritt durch das Foramen magnum in die Schädelhöhle ein. Dort vereinigt sie sich am Unterrand der Pons mit der A. vertebralis der Gegenseite zur A. basilaris. Diese zieht ventral des Hirnstamms nach rostral und teilt sich in die beiden Aa. cerebri posteriores, die den hinteren Teil des Groß‑ und Zwischenhirns versorgen. Zuvor gehen Äste zum Kleinhirn und Hirnstamm ab: A. inferior posterior cerebelli aus der A. vertebralis, A. inferior anterior cerebelli und A. superior cerebelli aus der A. basilaris sowie zahlreiche kleine, mediale und laterale Äste direkt zur Versorgung von Medulla oblongata, Pons und Mesencephalon. Der Versorgungsbereich des vertebrobasilären Systems umfasst also den Okzipitallappen, Teile des Zwischenhirns, den gesamten Hirnstamm, das Kleinhirn, das Innenohr und den kranialen Teil des Rückenmarks. Eine Durchblutungsstörung dieser Arterien verursacht Symptome wie Schwindel (Vestibulariskerne, Innenohr), Doppelbilder und Blicklähmungen (Augenmuskelkerne und Hirnstammblickzentren), Gesichtsfeldausfälle (visueller Kortex) und cerebelläre Ataxie.

Circulus arteriosus cerebri (Willisii). Karotis‑ und vertebrobasiläres Gefäßsystem sind über kleine Anastomosenarterien miteinander verbunden, die zusammen den Circulus arteriosus cerebri (Willisii) bilden: zwischen den beiden Aa. cerebri anteriores die A. communicans anterior und zwischen der A. cerebri posterior und der A. carotis interna jeweils eine A. communicans posterior. Auf diese Weise sind die großen Gehirnarterien (A. cerebri anterior, A. cerebri media und A. cerebri posterior) untereinander und mit den gleichnamigen Gefäßen der Gegenseite verbunden, so dass bei Minderdurchblutung eines Gefäßes die Durchblutung ggf. durch die anderen Gefäße kompensiert werden kann.

Große Gehirnarterien. A. cerebri anterior, A. cerebri media und A. cerebri posterior sind für die Versorgung des Groß‑ und Zwischenhirns zuständig.

Die A. cerebri anterior zieht rostral um das Balkenknie herum und verläuft dann oberhalb des Balkens an der medialen Hemisphäre im Interhemisphärenspalt zu ihren Versorgungsarealen, die im wesentlichen die Medialseite des Frontal‑ und Parietallappens und den oberen Teil der Lateralseite des Frontal‑ und Parietallappens umfassen (präfrontaler Kortex, prämotorischer Kortex, Bein- ­und Fußregion des motorischen und sensiblen Kortex). Durchblutungsstörungen fallen vor allem durch Lähmungen und Empfindungsstörungen im Beinbereich auf.

Die A. cerebri media setzt den Verlauf der A. carotis interna fort. Sie zieht medial des Temporallappens in die Fossa lateralis und breitet sich von dort aus vor allem an der lateralen Hemisphärenseite aus. Ihr Versorgungsgebiet umfasst die Basalganglien mit angrenzendem Thalamus, die Capsula interna mit den absteigenden kortikonukleären und kortikospinalen Bahnen (Durchblutungsstörungen in diesem Bereich sind sehr häufig!), und die lateralen Bereiche des Temporal‑, Frontal­- und Parietallappens (Arm‑, Hand‑ und Gesichtsbereich des Gyrus precentralis und postcentralis sowie Broca‑ und Wernicke-Sprachzentrum in der dominanten Hemisphäre). Durchblutungsstörungen der A. cerebri media sind häufig und verursachen halbseitige kontralaterale Lähmungen (die die gesamte kontralaterale Körperhälfte betreffen können ‑ Capsula interna!), Sensibilitätsstörungen und ggf. Sprachstörungen.

Die A. cerebri posterior zieht von ventrokaudal um das Mittelhirn herum zur medialen Hemisphärenseite und dort zum hinteren Bereich des Groß‑ und Zwischenhirns. Das Versorgungsgebiet umfasst den primären und sekundären visuellen Kortex mit dem Großteil der Sehbahn, den basalen Temporallappen und Teile des Zwischen‑ und Mittelhirns. Ein Verschluss der Arterie zeigt sich vor allem in Gesichtsfeldausfällen ‑ wie homonyme Hemianopsie ‑ und ggf. partiellen Thalamusausfallssymptomen.

Venöser Abfluss des Gehirnblutes. Das gesamte venöse Blut des Gehirns sammelt sich in den intraduralen Sinus und wird von dort hauptsächlich über die V. jugularis interna dem rechten Herzen zugeleitet. Bei den den intraduralen Sinus vorgeschalteten Gehirnvenen unterscheidet man zunächst oberflächliche und tiefe Venen. Während die oberflächlichen Gehirnvenen direkt in die intraduralen Sinus münden, leiten die tiefen Gehirnvenen ihr Blut in die V magna cerebri (Galeni) ab, von wo aus es dann in den Sinus rectus gelangt.

Die oberflächlichen Gehirnvenen, die im Subarachnoidealraum z.T. entlang den großen Sulci des Endhirns verlaufen, sammeln Blut aus dem Großhirnkortex und dem unmittelbar darunterliegenden Marklager. Um in die intraduralen Sinus zu münden, müssen diese Venen als sog. "Brückenvenen" durch den Spalt zwischen Dura und Arachnoidea hindurchziehen. Kommt es zwischen den beiden Hirnhäuten zu Scherkräften (z.B. bei Schädeltraumen), so reißen die oberflächlichen Gehirnvenen ein, und es kommt zur Subduralblutung.

Die tiefen Hirnvenen sammeln das Blut aus den subkortikal gelegenen Großhirnanteilen. Bei Thrombosen der Gehirnvenen staut sich das Blut in die betroffenen Gehirnareale zurück, die dadurch geschädigt werden, was ebenso gefährlich werden kann wie eine arterielle Durchblutungsstörung.

Die wichtigsten der intraduralen Sinus sind der Sinus sagittalis superior und der Sinus sagittalis inferior im Ober‑ bzw. Unterrand der Falx cerebri, der Sinus rectus, der Sinus transversus und der Sinus sigmoideus, die an der okzipitalen Schädelbasis entlang laufen, sowie der Sinus cavernosus, der die Hypophyse umgibt und besondere klinische Bedeutung hat. Er bekommt venöse Zuflüsse u.a. aus der V ophthalmica des Auges, die am medialen Augenwinkel mit Gesichtsvenen anastomosiert (Aufsteigen von Keimen des Gesichtsunterhautgewebes in den Sinus cavernosus möglich!). Durch den Sinus cavernosus ziehen die A. carotis und der N. abducens (VI), in seiner Seitenwand laufen der N. ophthalmicus (V1), N. oculomotorius (III), N. trochlearis (IV) und N. maxillaris (V2). Diese Leitungsbahnen können bei Sinus‑cavernosus-Läsionen (Vereiterungen, Thrombosen) geschädigt werden. <img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/24463480569e44d28d683e2c25be864b" width="1" height="1" alt=""></img>