Großhirn

Aus Vonrudorff
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Äußere Gestalt. Das Großhirn besteht aus zwei Hemisphären, die über den Balken (Corpus callosum) miteinander verbunden sind. Man kann von außen vier Großhirnlappen unterscheiden: Frontallappen, Parietallappen, Temporallappen und Okzipitallappen. Teile des Frontal‑, Parietal‑ und Temporallappens bedecken von lateral als Operculum die Inselrinde. Der Gyrus cinguli wird in der Regel keinem der Großhirnlappen zugeordnet. Die Oberfläche des Großhirns ist durch Furchen (Sulci) in zahlreiche Windungen (Gyri) unterteilt. Besonders wichtig sind der Sulcus centralis, der den Gyrus precentralis vom Gyrus postcentralis trennt, und der Sulcus lateralis, der den Temporallappen von Parietal- und Frontallappen trennt. An der Medialseite wichtig sind der Sulcus calcarinus, um den herum sich die primäre und sekundäre Sehrinde befindet, und der Gyrus cinguli, der oberhalb des Balkens liegt. Vorne unten liegt dem Großhirn der Bulbus olfactorius mit dem Tractus olfactorius an. Im Frontalschnitt durch das Großhirn erkennt man die Großhirnrinde und die im Marklager befindlichen Kerne: Ncl. caudatus, Putamen (beide zusammen = Striatum), Pallidum (ebenso wie der ventral davon liegende Ncl. subthalamicus ein Teil des Zwischenhirns) und ganz außen das Claustrum.

Des weiteren befinden sich im Inneren der Hemisphären die beiden Seitenventrikel.

Gliederung. Entwicklungsgeschichtlich kann man am Großhirn Striatum (liegt im Inneren), Paleokortex (ältester Anteil der Rinde), Archikortex und Neokortex (jüngster und mit Abstand größter Anteil der Rinde) unterscheiden. Der Großhirnkortex wird nach histologischen Kriterien in über 50 Rindenfelder (nach Brodmann) eingeteilt.

Basalganglien. Im funktionellen Sinne handelt es sich um

  • Ncl. caudatas
  • Putamen
  • Pallidum
  • Ncl. subthalamicus
  • Substantia nigra (Mittelhirn).

Oftmals werden nach rnorphologisch‑deskriptiven Gesichtspunkten auch anstatt der Substantia nigra und Ncl. subthalamicus das Claustrum und selbst das Corpus amygdaloideum als "Großhirnkerne" zu den Basalganglien gezählt. Als gemeinsame Bezeichnung wurde „subcorticale Zentren“ vorgeschlagen.

Die Basalganglien haben funktionell gemeinsam, dass sie eine wichtige Rolle bei der zentralen Regulation der Motorik spielen. Ihre Aufgabe ist vor allem die Steuerung von Ausmaß, Geschwindigkeit und Kraft von Körperbewegungen.

Das Striatum (Ncl. caudatus und Putamen) erhält Afferenzen vor allem vom Kortex und von der Substantia nigra und sendet seine Efferenzen zum Pallidum und wiederum zur Substantia nigra. Dabei wirkt es in seinen Projektionsorten hemmend. Man kann dem Striatum für die motorischen Impulse, die ihm vom Großhirnkortex zufließen, vor allem eine hemmende, z.T. aber auch fördernde Funktion zuschreiben, Die Substantia nigra hemmt mit dopaminergen Fasern die motorikunterdrückenden Teile des Striatums, weshalb man ihr eine bewegungsfördernde Funktion zuschreiben kann, Schädigungen des Striatums verursachen hyperkinetische Syndrome (z.B. Chorea), Schädigungen der Substantia nigra verursachen hypokinetische Syndrome (Parkinson‑Syndrom).

Das Pallidum wird in ein laterales und eine mediales Segment unterteilt. Es erhält seine Afferenzen vor allem vom Striatum (funktioneller Antagonist des Pallidums) und vom Ncl. subthalamicus. Efferenzen sendet es ebenfalls zum Ncl. subthalamicus und zum Thalamus. Wie beim Striatum kann man funktionell Teile, die bewegungsfördernd, von Teilen, die bewegungshemmend wirken, unterscheiden (wobei die fördernden überwiegen).

Der Ncl. subthalamicus ist afferent und efferent mit dem Pallidum verbunden und hat funktionell eine hemmende Funktion für motorische Impulse. Eine Schädigung löst ein hyperkinetisches Syndrom (Ballismus) aus.

Die zentrale Regulation der Motorik kann man sich vereinfacht folgendermaßen vorstellen: Motorische Impulse entstehen im limbischen System und werden zum Assoziatiotiskortex weitergegeben, der Bewegungsentwürfe ausarbeitet und diese außer an den motorischen Kortex an die Basalganglien und das Kleinhirn weitergibt, Die Basalganglien modulieren die Impulse hemmend oder fördernd, das Kleinhirn stimmt die Bewegungsentwürfe fein ab. Beide projizieren in den Thalamus, der die Impulse zum motorischen Kortex weitergibt. Dieser aktiviert über die kortikospinale Bahn (ggf. auch über extrapyramidale Bahnen) die Motoneurone im Rückenmark und löst so konkrete Bewegungen aus.

Paleokortex und Riechhirn. Zu diesem ältesten Teil des Großhirns werden vor allem der Bulbus olfactorius und der Tractus olfactorius (Empfang bzw. Weiterleitung der olfaktorischen Impulse von den Riechnerven), das Tuberculum olfactorium mit angrenzenden Großhirnarealen (Riechrinde im engsten Sinn) und das Corpus amygdaloideum gezählt. Das Corpus amygdaloideum liegt im vorderen Drittel des Temporallappens und hat intensive Faserbeziehungen zu Zentren des limbischen Systems. Es spielt eine wichtige Rolle bei der emotionalen Modulation vegetativer Parameter und bei der Steuerung von Angst‑ und Wutverhalten.

Archikortex. Dieser zeichnet sich durch eine dreischichtige mikroskopische Struktur aus und wird vor allem vom Hippocampus, vom Gyrus parahippocampalis und von Anteilen des Gyrus cinguli gebildet.

Der Hippocampus stellt eine eingerollte Archikortexstruktur dar (Ammonshorn) und liegt im Temporallappen an der Medialseite des Unterhorns des Seitenventrikels. Er ist ein wichtiger Teil des limbischen Systems und hat besondere Bedeutung für Lernvorgänge (Gedächtnisbildung), Aggressions‑, Motivationsverhalten und Bewusstsein. Mit seinen efferenten Fasern bildet er den Fornix, der als Gewölbe das Dach des dritten Ventrikels von hinten nach vorne überspannt.

Der Gyrus cinguli liegt oberhalb des Balkens an der Medialseite der Hemisphären und bildet mit dem Hippocampus "das Zentrum" des limbischen Systems. Funktionell beeinflusst er vegetative Parameter und hat eine besondere Bedeutung für psycho‑ und lokomotorischen Antrieb.

Limbisches System. Dies ist ein funktionell zusammengehöriges System aus mehreren Gehirnstrukturen. Die wichtigsten sind:

  • Hippocampus
  • Gyrus cinguli
  • Gyrus parahippocampalis
  • Corpus amygdaloideum
  • Corpus mamillare

Gemeinsam ist diesen Strukturen, dass sie einen starken Einfluss auf emotionale und vegetative Parameter haben und dass sie eine große Rolle für Motivation, Antrieb, Lernen und möglicherweise auch andere kognitive Leistungen spielen. Man darf sie jedoch nicht als alleinigen zerebralen Manifestationsort dieser Fähigkeiten missverstehen. <img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/18284efb478d4f15bbe8a1e3122d105b" width="1" height="1" alt=""></img>